Historische Fotografien
Im Museum und Archiv der Stadt Bad Schwartau werden tausende historische Fotografien bewahrt, die das Leben, die Menschen und die Entwicklung Bad Schwartaus über viele Jahrzehnte dokumentieren. Sie sind wertvolle Zeugnisse der Stadtgeschichte und werden für kommende Generationen erhalten. Die nachfolgenden Bilder, die im Zuge eines Facebook-Projekts mit dem Titel "Good old Bad Schwartau" im Jahr 2022 veröffentlicht wurden, geben einen kleinen Einblick in die Vielfalt dieser Bestände und laden zu einer Reise in die Vergangenheit Bad Schwartaus ein.
Good old Bad Schwartau // Trauerzug im Jahr 1913
Festlich schreitet am 28. Juli 1913 der Trauerzug mit dem toten Schwartauer Ehrenbürger Gustav Jäde (1850-1913) am Haus der „Matthias und Charlotte Jäde Stiftung“ vorbei.
Als Lübecker Textilfabrikant hatte dieser 1908 die Stiftung in Gedenken an seine Eltern Matthias und Charlotte Jäde gegründet. Sie sollte denjenigen Menschen eine Aufnahme für die letzten Lebensjahre ermöglichen, die mit Schwartau verbunden waren, ein ehrbares Leben geführt hatten und zuvor nicht von der öffentlichen Armenpflege unterstützt werden mussten. Das Matthias- und Charlotte-Jäde-Stift (meist nur als Jäde-Stift bezeichnet) war also eine frühe Form des betreuten Wohnens.
Das Haus wurde bis 1997 von der Stiftung getragen.
Der Verkauf des Hauses führte zu einem Überschuss in Höhe von 240.000,00 €. Von diesem Betrag hat die Stiftung 220.000,00 € langfristig angelegt, unter anderem in Aktien sowie in einer Immobilie.
Entsprechend dem Stiftungszweck des Gustav Jäde werden aus den Erträgen der Matthias Charlotte Jäde Stiftung jährlich Ausschüttungen zugunsten bedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt vorgenommen.
Heute ist in dem ehemaligen Jäde-Stift eine Anwaltskanzlei ansässig.
Good old Bad Schwartau // Konfirmation 1910
Brav aufgereiht zeigen sich die über fünfzig Mädchen zur Konfirmation 1910 zusammen mit dem damaligen Pastor Hoyer vor der Kirche in Rensefeld.
Pastor Hoyer war nicht nur bis 1914 Pastor von Rensefeld, sondern befasste sich zugleich intensiv mit der Geschichte der Kirchengemeinde Rensefeld. Die Ergebnisse seiner Arbeit werden als dreibändige Chronik im Kirchenarchiv verwahrt. Auszüge erschienen 1904 in der Regionalausgabe der populären christlichen Illustrierten „Der Nachbar“, dessen gebundener Jahrgang im Archiv der Stadt Bad Schwartau eingesehen werden kann.
Die Chronik ist eine wertvolle Quelle zum früheren Leben der Menschen im Gebiet des heutigen Bad Schwartau.
Good old Bad Schwartau // Automobil um 1900
Das historische Foto zeigt den Gelbgießer Fritz Henck auf seinem ausgebrannten Automobil um 1900. Man sieht auf diesem Bild deutlich, wie sich das moderne Auto aus der Kutsche heraus entwickelte.
Das Automobil von Fritz Henck, der in der Lübecker Straße 60 lebte, gilt als das erste seiner Art in Schwartau.
Aber was ist eigentlich ein Gelbgießer? Gelbgießer waren spezialisiert auf den Messingguss kleinerer Gegenstände wie Schnallen oder Beschläge. Im späten 19. Jahrhundert erfuhr das Handwerk mit der Verbreitung von Gas- und Wasserleitungen einen Aufschwung mit der Anfertigung von Armaturen und anderen Kleinteilen.
Good old Bad Schwartau // Rensefeld um 1900
Gestochen scharf zeigt sich die Aufnahme von Rensefelder Höfen zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches. Man sieht, wie Fotografien zu dieser Zeit noch keineswegs „Schnappschüsse“ waren: Bewusst drapiert geben die Kinder dem Bild eine gewisse Lebendigkeit.
Das Foto wurde von der „Kunstverlagsanstalt Julius Simonsen“ aus Oldenburg/Holstein aufgenommen, die später vor allem für die Fertigung beliebter Fotopostkarten bekannt wurde.
Bis in die Gegenwart sind Nachfahren Julius Simonsens im Schriftsetzer- und Druckereigeschäft tätig.
Leider ist unklar, ob Julius Simonsen noch weitere Fotos von Rensefeld erstellte: Der Fotobestand des Verlags ist seit einem Verkauf vor mehreren Jahrzehnten verschollen.
Good old Bad Schwartau // Frauenforum um 1995
Über 30 Jahre machte sich das Frauenforum Bad Schwartau für die Gleichberechtigung von Frauen vor Ort stark. Der Verein entwickelte eine rege Vereinstätigkeit mit monatlichen Frauentreffen, Vortrags- und Kulturveranstaltungen, Kursangeboten, Ausflügen u.a. Dabei konnte es auch ganz praktisch zugehen, wie dieses Foto beweist, das einige Frauen bei einem angebotenen Workshop zum Radflicken zeigt.
Mit der Auflösung des Vereins im Jahr 2022 gingen die früheren Protokolle, Aushänge, Flyer und Fotos an das Stadtarchiv und ergänzen die noch immer proportional auffallend wenigen Dokumente gemeinsamer Stadtgeschichte aus weiblicher Perspektive.
Good old Bad Schwartau // Luftaufnahme des ehemaligen Amtsgerichts
Die Luftaufnahme zeigt das zwischen 1909 und 1910 errichtete Amtsgerichtsgebäude.
Knapp 100 Jahre lang war das große Haus an der Nordseite des Markts der Sitz des Amtsgerichts, bis diese Institution in Bad Schwartau 2009 aufgelöst wurde. Zehn Jahre später wurde das Gebäude von der Stadt Bad Schwartau erworben.
Rechts neben dem alten Amtsgericht ist die „Alte Schließerei“ zu erkennen, in der sich früher das Gefängnis befand. 1938 wurde dieses Gebäude in ein Kleinkinderheim umgebaut.
Leider fehlt die Datierung des Fotos. Da es aber zahlreiche Details enthält, gelingt die zeitliche Einordnung vielleicht nachträglich:
Das Stadtarchiv nimmt unter stadtarchiv@bad-schwartau.de gerne Hinweise entgegen!
Good old Bad Schwartau // Pfefferkuchenhaus um 1900
Das Schwartauer Pfefferkuchenhaus war eine über drei Generationen betriebene Bäckerei in Bad Schwartau. Deren Pfefferkuchen waren bei Ausflüglern sehr beliebt und überregional als „Schwartauer Pfeffernüsse“ bekannt. 1926 wurde das Bäckereigebäude am Marktplatz abgerissen – an dem heute dort befindlichen Geschäftshaus befindet sich eine Erinnerungstafel.
Das Schwartauer Pfefferkuchenhaus wurde von Thomas Mann in den Buddenbrooks literarisch verewigt: Bei einem Ausflug nach Schwartau kaufen die Buddenbrooks dort mehrere große „Düten voll Pfeffernüssen“. Bekannt wurde das Haus auch durch mehrfache Besuche des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, des späteren Kaisers Friedrich III., u. a. 1845 mit seinem Hauslehrer Ernst Curtius, 1867 mit seiner Frau Victoria.
Ermutigt durch den Erfolg stellten auch andere Bäckereien in Bad Schwartau Pfeffernüsse her. Zuletzt wurden echte Schwartauer Pfeffernüsse nur noch in der Konditorei Hartmann gebacken – bis diese im Jahr 2022 schloss.
Ab dem 27. November 2023 erlebt die alte Tradition der Schwartauer Pfeffernüsse mit einem Originalkonzept aus der Zeit um 1910 aus der Familie der Gastronomin Nadine Lemm (Waldhotel Riesebusch) auf dem Bad Schwartauer Weihnachtsmarkt eine Renaissance.
Wir freuen uns schon sehr darauf!
Good old Bad Schwartau // Eutiner Ring im Jahr 1979
Die Aufnahme zeigt die Bauarbeiten an der Ortskernumgehung „Eutiner Ring“ im Jahr 1979.
Im vorderen Teil des Bildes ist die Unterführung, die die Innenstadt mit dem heutigen Bürgerpark verbindet, gut zu erkennen. Der Blick in die Ferne hingegen irritiert: zu jener Zeit existieren weder der ZOB, noch das Kino oder der große Zentralparkplatz.
Das Foto gehört zu einem Fotobestand, den der Gemeinnützige Bürgerverein dem Stadtarchiv Ende des 20. Jahrhunderts überlassen hat.
Good old Bad Schwartau // Mühlenstraße um 1980
„FOTO-ARBEITSGEMEINSCHAFT Volksschule Rensefeld“ – dieser Stempel findet sich auf der Rückseite zahlreicher Aufnahmen im Bad Schwartauer Stadtarchiv.
Der bis zu seiner Pensionierung 1964 dort tätige Schulleiter Max Steen (1898-1997) hatte seine Schülerinnen und Schüler ermuntert, geschichtlich interessante Aufnahmen von Bad Schwartau zu fertigen. 1983 wurde ihm für seine Verdienste um die Stadtgeschichte die Ehrenbürgerschaft verliehen.
Das Foto zeigt einige Jugendliche vor etwa in den 1880er Jahren erbauten Häusern in der Mühlenstraße.
Ob es noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, die damals mit der Kamera durch Bad Schwartau zogen?
Good old Bad Schwartau // Clever Tannen 1946
Diese Aufnahme von 1946 dürfte eines der letzten Bilder der heute nicht mehr bestehenden Clever Tannen sein. Heute erinnert nur noch ein Straßenname an diese wenige Jahrzehnte bestehende Waldlandschaft.
Der für die Gründung der Villenkolonie Cleverbrück bekannt gewordene Ferdinand Björnsen hatte um 1900 die wenig ertragreichen Sandböden mit Nadelbäumen aufforsten lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wald zwischen 1945-1947 abgeholzt, um dort Wohnraum zu schaffen. Durch den Flüchtlingszuzug aus den früheren deutschen Ostgebieten herrschte in jener Zeit nämlich massiver Wohnraummangel.
Die zunächst rasch errichteten „Nissenhütten“ am Stockelsdorfer Weg und in der Hindenburgstraße wichen bald festen Wohnbauten und veränderten das Stadtbild nachhaltig.