Frage zum dritten Gleis:
Antwort:
Deutschlandtakt und Verkehrswende haben zwar eindeutig Auswirkungen auf die Schienenanbindung, aber die Deutsche Bahn berücksichtigt diese Auswirkungen bislang nicht.
Eine vom Bundesverkehrsministerium beauftragte Gutachterkommission hatte bereits 2022 einen Expertenbericht vorgelegt und darin in einer Infrastrukturliste zahlreiche bauliche Maßnahmen benannt, die für die Sicherstellung des Deutschlandtaktes erforderlich sein werden. Dort heißt es unter anderem: „Bau eines dritten Gleises Lübeck – Bad Schwartau zur Ermöglichung paralleler Fahrten“ und: „verkehrliches Ziel: Kapazitätssteigerung der Mischverkehrsstrecke für eine Mengenausweitung im SPNV, Umsetzung des vom Land gewünschten Mengengerüsts“.
Das Dritte Gleis ist entsprechend auch in der Regionalplanung des Landes vorgesehen.
Die von der Gutachterkommission für erforderlich gehaltenen Maßnahmen sind mit dem im Dezember 2023 in Kraft getretenen Gesetz zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich inzwischen sogar auch gesetzlich angezeigt. Und auch die Maßnahme „Bau eines dritten Gleises Lübeck – Bad Schwartau“ ist in der Begründung des Gesetzes ausdrücklich genannt.
Die Verkehrswende, unter anderem die politisch gewollte und geförderte Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs von der Straße auf die Schiene, Stichwort: Deutschlandticket, zeigt sich auch in der geplanten zukünftigen Streckenbelegung der Schienenanbindung. Gegenüber der Vorplanung aus dem Jahr 2015 sollen im Prognosehorizont 2030 40 Nahverkehrszüge zusätzlich verkehren. Damit folgt die Eisenbahnplanung dem vom Land gewünschten Mengengerüst.
Die Deutsche Bahn berücksichtigt aber nicht das von der Gutachterkommission und dem Verkehrsbeschleunigungsgesetz deshalb für erforderlich erachtete Dritte Gleis. Denn die Landesregierung hat die Planung für das Dritte Gleis zurückgestellt.
Gemäß der aktuellen Eisenbahnplanung für den Abschnitt Lübeck soll sogar der für ein drittes Gleis verfügbare Trassenraum stattdessen mit einer neuen Fahrstraße überbaut werden.
Die Folge ist eine Verschiebung des Güterverkehrs in den Nachtzeitraum. Denn tagsüber ist die Streckenkapazität im Engpass zwischen Lübeck und Bad Schwartau durch den Nahverkehr und den Personenfernverkehr bereits derart stark ausgelastet, dass nur ein Teil des Güterverkehrs zusätzlich abgewickelt werden kann. Bezogen auf den stündlichen Verkehr müssen infolgedessen die meisten Güterzüge in der Nacht verkehren.
Hierdurch werden die Immissionsbelastungen in Bad Schwartau unerträglich hoch. Ein Drittes Gleis aber würde eine Beschränkung des Güterverkehrs auf den Tagzeitraum ermöglichen. Die Belastungen wären dann eher zumutbar.